Wie setze ich meine Bewerbungskosten richtig ab?

Alle Kosten, die im Rahmen von Bewerbungen anfallen, sind als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Werbungskosten sind Aufwendungen, die notwendig sind, um einen Beruf auszuüben. Hierunter fallen zum Beispiel Bewerbungskosten, die täglichen Fahrten zur Arbeit, Dienstreisen, Fortbildungen oder berufliche Versicherungen.

Gesetzlich definiert sind die Werbungskosten in Paragraf 9 des Einkommensteuergesetzes. Dort steht, dass Werbungskosten Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen sind. Sie müssen bei der Einkunftsart - zum Beispiel einer Beschäftigung als Arbeitnehmer – angegeben werden, bei der die Kosten entstanden sind.

Absetzbare Bewerbungskosten

Mögliche absetzbare Kosten gibt es viele. Wichtig ist, dass die Kosten im Zusammenhang mit Bewerbungen entstanden sind.

Reisekosten

• Deine Anreise und Abreise für das Vorstellungsgespräch, falls der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt. • Übernachtungskosten, die Du selbst tragen musst. • den Verpflegungsmehraufwand für diejenigen Tage, an denen Du für die Bewerbung von Deinem Wohnort abwesend bist.

Unser Tipp: Falls Du Anspruch auf Arbeitslosengeld hast und der Arbeitgeber die Reisekosten nicht bezahlt, kannst Du bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen, dass die Agentur Deine Reisekosten übernimmt. Du musst Dich aber vor dem Bewerbungsgespräch darum kümmern, nicht erst danach.

Materialien für Bewerbungen

  • Bewerbungsmappen.
  • Briefumschläge.
  • Porto für die Bewerbungsmappen.
  • Kopien.
  • Schreibpapier.
  • Kugelschreiber, Füller etc.
  • Beglaubigungen, zum Beispiel von Zeugnissen. Manche Behörden verlangen von Bewerbern im Laufe des Bewerbungsprozesses beglaubigte Zeugnisse.

Technik für Bewerbungen

  • ein Drucker, falls Du ihn für den Druck deiner Bewerbungen kaufst.
  • Druckerpatronen, um Bewerbungen auszudrucken.
  • sogar ein Laptop/Computer, falls Du dem Finanzamt plausibel erklären kannst, dass Du noch keinen Rechner hast, an dem Du Deine Bewerbungen schreiben kannst und deshalb einen neuen anschaffen musst.
  • Software wie zum Beispiel ein professionelles Programm zum Erstellen von PDFs für Deine Online-Bewerbungen.

Vorbereitungen auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche

  • Fachbücher.
  • Bewerbungsratgeber.
  • Spezielle Magazine für die Stellensuche oder Bewerbungen. Allgemeine Publikumszeitschriften wie der „Spiegel“ sind damit nicht gemeint.
  • Seminare.
  • Einzelcoaching für die Jobsuche und Bewerbungen.
  • Karriereberatung.
  • Kosten für die Übersetzung von Bewerbungsunterlagen.
  • Sprachkurse für Bewerbungen.

So setzt Du die Bewerbungskosten von der Steuer ab

Du hast zwei Wege, um Deine Bewerbungskosten abzusetzen. Die erste Möglichkeit ist, die tatsächlich angefallenen Kosten abzusetzen und die Belege für die Ausgaben aufzubewahren. Die zweite Möglichkeit ist, für jede Bewerbung einen pauschalen Betrag abzurechnen. Für Bewerbungen per Post kannst Du dabei höhere Beträge absetzen als für Online-Bewerbungen. In der Regel akzeptieren die Finanzämter einen pauschalen Betrag von 10 bis 15 Euro pro Post-Bewerbung. Manche Finanzämter rechnen nur mit 8,50 Euro Kosten pro Post-Bewerbung. Für Online-Bewerbungen werden in der Regel 2,50 Euro angenommen. Du multiplizierst die Zahl Deiner Bewerbungen mit dem entsprechenden Betrag. Am Ende entscheidet der zuständige Sachbearbeiter, mit wie viel Euro Bewerbungen pauschal abgerechnet werden können.

Wann sich die Mühe nicht lohnt

Die Bewerbungskosten sind wie erwähnt ein Teil der Werbungskosten. Falls Du in einem Jahr insgesamt weniger als 1.000 Euro Werbungskosten hast, kannst Du Dir den Aufwand sparen, die Kosten für Deine Bewerbungen aufzulisten und nutzt einfach den Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro. Es gibt allerdings viele Werbungskosten, mit denen Du auf mehr als 1.000 Euro Ausgaben kommen kannst.

Nachweise aufbewahren

Die Belege für Bewerbungskosten müssen nur nach einer Aufforderung an das Finanzamt gesendet werden. Es ist aber wichtig, die Belege für die Kosten aufzubewahren, denn das Finanzamt könnte sie verlangen. Als Belege für abgesendete Bewerbungen kannst Du zum Beispiel Deine Anschreiben archivieren oder die Antwortschreiben der Unternehmen, bei denen Du Dich beworben hast, aufbewahren.

Je höher Deine Ausgaben sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Finanzamt Nachweise verlangt.

Beim Absetzen der Bewerbungskosten spielt es keine Rolle, ob die Bewerbungen Erfolg hatten oder eben nicht. Entscheidend ist, dass eine berufliche Tätigkeit gesucht wird.

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