Progressionsvorbehalt - Die Steuerfalle beim Kurzarbeitergeld

Stand Juni 2020 haben bereits die Hälfte aller Unternehmen der deutschen Wirtschaft Kurzarbeit beantragt. Die Zahl der Arbeiter in Kurzarbeit war zu diesem Zeitpunkt bereits höher als jemals zuvor. An solchen Zahlen erkennt man den beispiellosen Effekt der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft. Viele Arbeitnehmer fragen, welche Auswirkungen die Kurzarbeit auf ihre Steuern haben wird. An anderer Stelle haben wir bereits darauf hingewiesen, dass alle Beschäftigten, die Kurzarbeitergeld erhalten haben, zur Abgabe einer Steuererklärung im Folgejahr verpflichtet sind. Ein bisschen Verwirrung gibt es um die Frage der Steuerfreiheit des Kurzarbeitergeldes. Warum muss beispielsweise Kurzarbeitergeld bei der Steuererklärung angegeben werden, wenn es doch steuerfrei ist? Wir haben hier einen genauen Überblick zum Thema erstellt:

Die drohende Nachzahlung

Die gute Nachricht vorweg: Das Kurzarbeitergeld ist tatsächlich steuerfrei, weil es nicht vom Arbeitgeber kommt, sondern aus Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung finanziert wird. Somit unterliegt es nicht der normalen Lohnsteuer. Trotzdem kann das Kurzarbeitergeld durch den sogenannten Progressionsvorbehalt zu einer Erhöhung des Steuersatzes führen. Der Progressionsvorbehalt bewirkt, dass das steuerfreie Kurzarbeitergeld zum zu versteuernden Einkommen hinzuaddiert wird und somit die Berechnungsgrundlage für den Steuersatz erhöht. Zwar wird dieser höchstwahrscheinlich geringer sein, als wenn der Arbeitnehmer das ganz Jahr seinen normalen Bruttolohn erhalten hätte. Allerdings ist er wegen des Progressionsvorbehaltes höher als ohne Kurzarbeitergeld. Das kann bei vielen Haushalten, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden, für eine böse Überraschung sorgen. Damit ein besseres Verständnis dafür entsteht, wie die Auswirkung des Kurzarbeitergeldes auf den Steuersatz ist, haben wir eine vereinfachte Beispielrechnung vorbereitet.

Beispielrechnung Kurzarbeitergeld

Stellen wir uns einen alleinstehenden Arbeitnehmer vor Steuerklasse, der ein Bruttogehalt von 2.000 Euro pro Monat bekommt. Ab Anfang April 2020 fallen unglücklicherweise alle Aufträge seines Arbeitgebers weg, weshalb seine Arbeitszeit auf null gekürzt wird. Leider bleibt das für den Rest des Jahres 2020 auch so. Die Berechnung des Steuersatzes für den Veranlagungszeitraum 2020 sähe folgendermaßen aus:

  • Bruttolohn pro Monat = 2.000 Euro

  • Nettolohn pro Monat = circa 1.400 Euro

  • Für die ersten drei Monate übernimmt der Staat 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns = 840 Euro x 3 = 2.520 Euro

  • Vom vierten bis zum sechsten Monat übernimmt der Staat 70 Prozent des ausgefallenen Nettolohns = 980 Euro x 3 = 2.940 Euro*

  • Ab dem siebten Monat übernimmt der Staat 80 Prozent des ausgefallenen Nettolohns (für die restlichen 3 Monate des Jahres) = 1.120 € x 3 = 3.360 €*

  • Gesamtes Bruttoeinkommen 2020 = 6.000 Euro

  • Gesamtes Kurzarbeitergeld 2020 = 8.820 Euro

  • Fiktives zu versteuernden Einkommen = 14.820 Euro

  • Steuersatz 2020 mit Kurzarbeitergeld = 7,02 %

  • Steuerlast 2020 mit Kurzarbeitergeld = 421 Euro

  • Steuersatz 2020 ohne Kurzarbeitergeld = 0,00 %

  • Steuerlast 2020 ohne Kurzarbeitergeld = 0,00 Euro

  • Voraussichtliche Steuernachzahlung aufgrund Kurzarbeitergeldes = 421 Euro

  • Im Rahmen der Corona-Krise wurden die Kurzarbeitergeldzahlungen ab dem vierten Monat für Arbeitnehmer mit mindestens 50 Prozent Arbeitsausfall angehoben. Diese Anhebung ist befristet und läuft am 31.12.2021 aus.

Dieser errechnete Steuersatz wird dann auf das Bruttoeinkommen des Jahres 2020 angewandt, weshalb die Steuerlast im Jahr 2020 für unseren Beschäftigten bei 738 Euro liegt. Das ist zwar mehr, als wenn lediglich das Bruttoeinkommen die Berechnungsgrundlage für den Steuersatz wäre, aber auch deutlich weniger, als wenn das Kurzarbeitergeld wie Einkommen versteuert werden müsste (die Steuerlast läge dann bei 2.563 Euro).

Mit unserem Kurzarbeitergeldrechner kannst Du selbst eine mögliche Nachzahlung berechnen.

Das Kurzarbeitergeld kann durch den Progressionsvorbehalt zu einer Steuernachzahlung führen. In Zeiten von Kurzarbeit und Corona trifft das das Budget von Arbeitnehmern besonders hart. Deshalb ist es so wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema Steuererklärung auseinanderzusetzen und so das zu versteuernde Einkommen durch Sammeln von Kostenpositionen möglichst gering zu halten. [Wir helfen gerne][https://wundertax.de].

Was hat sich bei der Lohnersatzleistung Kurzarbeit zu Zeiten von Corona geändert?

Auf der Basis des Infektionsschutzgesetzes wurde zu Eindämmung der Corona-Pandemie ein Lockdown verhängt. Um die Wirtschaft trotz des Coronavirus zu stärken, konnten im Jahr 2020 Arbeitgeber Lohnersatzleistungen, wie Kurzarbeit, beantragen. Die Leistungen wurden in das Jahr 2021 verlängert.

  • Tipps: Arbeitgeber sollten frühzeitig ihr Personal über mögliche Steuernachzahlungen informieren, die aufgrund von Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeit anfallen können.
  • Tipp: Wenn Beschäftigte ein Kind haben, bekommen sie 7 Prozent Kurzarbeitergeld mehr der Lohnersatzleistungen von der Agentur für Arbeit.

Bei Krankheit sollten Arbeitnehmer sich weiterhin arbeitsunfähig schreiben lassen. Alle steuerpflichtigen Kurzarbeiter müssen aufgrund der Leistungen der Agentur für Arbeit damit rechnen, dass sie mit Steuernachzahlungen rechnen müssen.