Kurzarbeit und Urlaub – Was muss ich wissen?

Die Zahl der Menschen in Kurzarbeit hat während der Corona-Krise ein Rekordlevel erreicht. Einer der Fragen, die sich für Arbeitnehmer aufdrängt, ist wie sich Kurzarbeit auf den Urlaub auswirkt. Wenn Kurzarbeit in Betrieben angekündigt wurde, war es vor 2020 häufig so, dass die Bundesagentur für Arbeit zunächst die Einbringung von Erholungsurlaub eingefordert hat. Das Ziel war es so Kurzarbeit zu minimieren oder sogar zu vermeiden. Durch Corona hat sich diese Position jedoch mindestens bis Ende 2020 geändert. Was Arbeitnehmer beim Thema Kurzarbeit und Urlaub sonst noch beachten müssen, erfahrt ihr hier.

Was hat sich während Corona verändert

Mit einer Befristung bis zum 31.12.2020 verzichtet die Bundesagentur für Arbeit auf die Einforderung von Erholungsurlaub zur Verringerung der Kurzarbeit. Dafür gibt es zweierlei Gründe. Erstens brauchen Familien ihren Familienurlaub während der Corona-Pandemie mehr denn je, da sowohl Kitas als auch Schulen zeitweilig geschlossen sind. Um trotzdem die Versorgung der Kinder zu garantieren, ist der Erholungsurlaub beinahe unabdingbar.

Zweitens müssen Arbeitgeber während des Urlaubs trotz Kurzarbeit den vollen Lohn bezahlen. Die Verringerung der Lohnkosten durch das Kurzarbeitergeld greift hier nicht. Müssten alle Arbeitnehmer zunächst ihren Urlaub nehmen, bevor der Arbeitgeber Kurzarbeitergeld beantragen kann, hätte das wahrscheinlich dramatische wirtschaftliche Folgen. Die Lohnkosten für Unternehmen würden steigen, was bei negativem Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 und begrenztem Zugang zu Märkten für viele Unternehmen existenzbedrohend sein könnte.

Was bleibt trotz Corona gleich

Auch im Jahr 2020 bleibt der Resturlaub von dieser Sonderregelung ausgenommen. Hat man als Arbeitnehmer noch Urlaub aus den Vorjahren angehäuft, soll dieser genutzt werden, um Arbeitsausfall möglichst zu vermeiden. Allerdings wird auch hier den Urlaubswünschen der Arbeitnehmer Priorität eingeräumt.

Außerdem bleibt das Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Kraft, wonach Arbeitnehmern, die durch Kurzarbeit weniger Tage pro Woche arbeiten, der Urlaubsanspruch gekürzt werden kann. Darüber muss es aber eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag oder eine betriebliche bzw. tarifliche Vereinbarung geben. Ohne diese Vereinbarung bleibt der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers wie gehabt, auch wenn er in Kurzarbeit „null“ geschickt wird. Hier ist es sinnvoll im Arbeitsvertrag einmal nachzuschauen, ob dort solche Regelungen festgeschrieben sind.

Sowohl die Bundesregierung als auch die Arbeitsagentur wissen um die Probleme von Arbeitnehmern. Durch die temporäre Schließung von Kitas und Schulen wegen Corona ist die Belastung für Eltern besonders hoch. Erholungsurlaub wird häufig genutzt, um so die Versorgung der eigenen Kinder sicherzustellen. Deshalb hat die Arbeitsagentur reagiert und temporär die Forderung nach Urlaubsabbau ausgesetzt. Ob das für Familien reicht, um die Herausforderungen der Corona-Krise zu bestehen, kann niemand vorhersagen.