Corona-Krise – Fast jede Branche meldet Kurzarbeit an

Fast alle Branchen in Deutschland sind von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Insbesondere der Bereich Gastronomie leidet unter Umsatzausfällen. Um dem entgegenzuwirken hatten im Mai 2020 99% der Betriebe Kurzarbeit beantragt. Auch Hotels haben mit den Einschränkungen zu kämpfen, die das Coronavirus mit sich bringt. Hier waren es 97% der Betriebe, die auf Kurzarbeit zurückgreifen mussten, um die fehlenden Einnahmen auszugleichen oder zumindest teilweise zu ersetzen.

Das ifo Institut hat Anfang Mai 2020 die Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, die dabei helfen, die Situation besser zu verstehen. So sind einige Branchen deutlich stärker betroffen als andere. Auch wenn man sich unterschiedliche Bundesländer anschaut, ergibt sich ein diverses Bild. Nachfolgend finden sich die interessantesten Ergebnisse zusammengefasst.

Wer spürt die Auswirkungen am stärksten?

Insgesamt haben bis Mai 2020 50% der Betriebe in Deutschland bereits Kurzarbeit beantragt. Dennoch sind die Unterschiede zwischen den Branchen bemerkenswert. Neben der bereits erwähnten Gastronomie und der Hotelbranche ist auch die Automobilproduktion stark betroffen. 94% der Unternehmen in diesem Bereich haben Kurzarbeit beantragt. Auch die Luftfahrt kämpft mit dem Umsatzausfall durch Corona und den zeitweiligen Beschränkungen des Flugverkehrs. Hier sind es ganze 91% der Betriebe, die Kurzarbeit beantragen mussten. Generell leidet die Tourismusbranche sehr. Auch Reisebüros und Reiseveranstalter sind fast durch die Bank auf Kurzarbeit angewiesen. Aber auch die kreativen, künstlerischen Berufe, sowie der gesamte Bereich Sport sind überproportional betroffen.

Gruppiert man Betriebe nicht nach Branchen, sondern nach Bundesländern, ist Bayern am stärksten betroffen. 54% der Betriebe in Bayern haben Kurzarbeit beantragt. Mit nur einem Prozentpunkt weniger, ist Baden-Württemberg auf dem zweiten Platz. Beide Länder sind selbstverständlich vom erheblichen Arbeitsausfall in der Automobilproduktion betroffen.

Wer kommt fast ohne Kurzarbeit durch die Pandemie?

Auf der anderen Seite gibt es Branchen und Unternehmen, die es ganz oder größtenteils ohne Kurzarbeit durch die Corona-Zeit schaffen. So gab es bis Mai 2020 beispielsweise gar keine Kurzarbeit in der Medikamentenherstellung, der Abwasserentsorgung und bei Energieversorgen. Das erscheint aber logisch, da diese Branchen auch während einer Pandemie kaum mit Umsatz- oder Nachfrageausfällen zu rechnen haben. Aber auch Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfer müssen kaum auf Kurzarbeit zurückgreifen (3% der Betriebe).

Bei den Bundesländern kommen besonders Rheinland-Pfalz als auch das Saarland mit verhältnismäßig wenig Kurzarbeit aus (39%). An zweiter Stelle liegen die mitteldeutschen Bundesländer (Sachsen, Sachsen-Anhalt & Thüringen) mit 43%. Generell liegen die neuen Bundesländer 6% unter dem Durchschnitt.

Die Corona-Pandemie ist eine massive Herausforderung für die gesamte deutsche Wirtschaft. Trotzdem sollten wir im Auge behalten, dass einige Branchen deutlich stärker betroffen waren und sind als andere. Insbesondere für Mitarbeiter in den Bereichen, die stark auf Kurzarbeit angewiesen sind, gilt es, sich frühzeitig mit den Auswirkungen von Kurzarbeitergeld zu beschäftigen. Urlaubsanspruch und die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung im Folgejahr sind da nur zwei prominente Themen. Auch Arbeitgeber können und sollten ihrer Belegschaft bei diesen Themen unterstützend zur Seite stehen. Mehr Informationen für Arbeitgeber finden sich hier.