Pflichtveranlagung: Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Jeder, der in Deutschland als Arbeitnehmer arbeitet, muss einen Teil seiner Einnahmen als Steuern abgeben. Dies dient der Finanzierung des Staats und der Leistungen für alle Bürger. Schließlich muss das Geld für die Sozialversicherungssysteme irgendwo herkommen. Mit Steuern werden zum Beispiel soziale Absicherungen und die Infrastruktur finanziert.

Die Besteuerung soll aber gerecht sein. Deshalb kannst Du zu viel gezahlte Steuern mit einer Steuererklärung wieder zurückholen. Viele Arbeitnehmer sind sogar zur Steuererklärung verpflichtet. Wir erklären, für wen diese Abgabepflicht gilt.

Pflichtveranlagung: Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Bei Arbeitnehmern wird die Einkommensteuer direkt vom Lohn abgezogen.

Bei den meisten Arbeitnehmern reicht es aus, dass der Arbeitgeber jeden Monat direkt die Lohnsteuer vom Gehalt abzieht.

In einigen Fällen sind aber auch Arbeitnehmer dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

Eine Einkommensteuererklärung ist Pflicht, falls:

  1. das Finanzamt einen Lohnsteuerfreibetrag eingetragen hat (allerdings gilt keine Abgabepflicht, wenn der erzielte Arbeitslohn nicht 10.800 Euro pro Kalenderjahr übersteigt und es keine zusätzlichen Einnahmen gibt).
  2. Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug oder Lohnersatzleistungen erhalten werden, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen und mehr als 410 Euro betragen. Zu den Lohnersatzleistungen zählen Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Kranken-, Mutterschafts-, Insolvenz- und Elterngeld. Entsprechendes gilt auch für die Aufstockungsbeiträge zur Altersteilzeit.
  3. bei getrenntlebenden Eheleuten der Ausbildungsfreibetrag, Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrag für Kinder nicht im Verhältnis 50/50 aufgeteilt wird.
  4. in einem Zeitraum des Jahres mehrere Einkünfte von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig bezogen werden - wenn also zumindest ein Lohn nach Lohnsteuerklasse 6 abgerechnet wird.
  5. der Steuerpflichtige eine Abfindung mit der Fünftelungsmethode versteuern möchte.
  6. abgeltungssteuerpflichtige Kapitalerträge, auf die keine Abgeltungsteuer gezahlt wurde, erhalten werden.
  7. Urlaubsvergütung aus Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft erhalten wird.
  8. Eheleute die Steuerklassenkombination IV-Faktor/IV-Faktor oder III/V gewählt haben.
  9. Nebeneinkünfte - zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Landwirtschaft oder sonstige Einkünfte wie Gewinne aus Kryptowährungstransaktionen - über 410 Euro liegen.
  10. bei einem Gewerbe oder einer anderen selbstständigen Tätigkeit.
  11. auf der Lohnsteuerkarte ein Ehegatte berücksichtigt wird, der im EU-Ausland lebt.
  12. der eigene Wohnsitz im Ausland ist, aber die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beantragt wurde.
  13. Rentner steuerpflichtige Einkünfte haben, die höher sind als der Grundfreibetrag. Zum Beispiel ist in der Regel ein Teil der Rente steuerpflichtig. Die Werbungskostenpauschale oder konkrete nachweisbare Werbungskosten erhöhen die Grenze, ab der das Einkommen versteuert werden muss.
  14. Pensionäre mehr als 11.600 Euro Bezüge erhalten. Auch Beamte, deren Vorsorgepauschale für die Bezüge höher waren als die anzuerkennenden Versicherungsbeiträge müssen eine Steuererklärung abgeben.
  15. ein Verlustvortrag geltend gemacht wird.

Hinweis: Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass vorgenannte Liste nur die wichtigsten und häufigsten Gründe für eine Pflichtveranlagung aufzählt und es Spezialfälle gibt, die nicht explizit aufgezählt werden. Zudem ist zu beachten, dass das Finanzamt jederzeit einen Bürger zur Abgabe einer Steuererklärung auffordern kann.

Nebeneinkünfte bis 410 Euro steuerfrei

Arbeitnehmer, die Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit haben, müssen darauf keine Steuern zahlen, solange die Summe der Nebeneinkünfte nicht mehr als 410 Euro pro Kalenderjahr beträgt.

Im Prinzip sind die 410 Euro also eine Freigrenze. Nebeneinnahmen in Höhe von 410 Euro bis 820 Euro werden ermäßigt besteuert. Die Freigrenze wird automatisch vom zuständigen Finanzamt berücksichtigt.

Davon ausgenommen sind Einkünfte wie Arbeitslosengeld I sowie Kapitalerträge, von denen Kreditinstitute bereits die Abgeltungsteuer einbehalten haben.

Strafen bei verspäteter Abgabe

Bei einer verspäteten Abgabe der Steuererklärung drohen Strafen, die weh tun. Die Unannehmlichkeiten beginnen in der Regel mit einem Erinnerungsschreiben des Finanzamts und der Aufforderung, die Steuererklärung umgehend abzugeben. In dem Schreiben wird auch auf die drohenden Strafen hingewiesen: ein sogenannter Verspätungszuschlag oder ein Zwangsgeld.

Der Verspätungszuschlag beträgt 0,25 Prozent der zu zahlenden Einkommenssteuer - pro Monat! Geringverdiener, die nur sehr wenig Steuern zahlen, kommen aber nicht mit einer entsprechend geringen Zahlung davon. Denn die Mindesthöhe des Verspätungszuschlags beträgt 25 Euro pro verspäteten Monat.

Das Finanzamt kann auch das Zwangsgeld als Strafe nutzen. Bei der ersten Nichtabgabe einer Steuererklärung liegt das Zwangsgeld oft zwischen 100 und 500 Euro. Es kann bei hohem Einkommen aber auch deutlich höher ausfallen. Bis zu 25.000 Euro Zwangsgeld sind möglich.

Horror Steuerschätzung

Wenn ein einkommenssteuerpflichtiger Bürger die Steuererklärung zu spät abgibt, kann das Finanzamt sogar eine Steuerschätzung vornehmen. Das Finanzamt schätzt die vermutliche Steuerschuld und verlangt diesen Betrag vom Betroffenen. Diese Steuerschätzung ist zwar keine direkte Strafe, bringt dem Steuerzahler aber oft große Nachteile. Denn in der Regel berücksichtigt das Finanzamt nur relativ geringe Werbungkosten. Dies hat zur Folge, dass die geschätzte Steuerschuld relativ hoch ist. In einem solchen Fall muss der Bürger viel mehr Steuern zahlen als er es eigentlich machen müsste, falls er seine Steuererklärung rechtzeitig abgegeben und dort seine Kosten abgesetzt hätte. Nach dem Schätzungsbescheid bleibt nur ein Monat Zeit, um dagegen Einspruch einzulegen.

Besonders für Selbstständige ist eine Steuerschätzung oft ein Horror, weil das Finanzamt meistens mit besonders hohen Einnahmen der Selbstständigen kalkuliert.

Eine freiwillige Steuererklärung lohnt sich

Auch falls Du nicht zur Abgabe verpflichtet bist, lohnt sich die Steuererklärung oft. Denn Du kannst Deine beruflichen Ausgaben, Kosten für die Fahrt zur Arbeit, Versicherungen und viele weitere Ausgaben absetzen. Damit sparst Du Steuern und kannst eine Steuer-Rückzahlung vom Finanzamt erhalten.